Donnerstag, 9. Mai 2013

Der rätselhafte Graf

Nach dem Tod des Fürsten Georg zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg (1775–1855), der viel Zeit, Geld und Liebe in das Schlösschen und den vom ihm erweiterten Park gesteckt hatte, scheint das Interesse an der Immobilie erlahmt zu sein. Über ein Jahrzehnt fehlt jede Nachricht. Erst in den 1860er Jahren taucht als Bewohner des Schlösschens ein Mann auf, der, lange als »Graf Senison« in den Akten fehlgelesen, sicher ein Graf Jenison gewesen sein muss. Erst Jahrzehnte später berichtet Rentamtmann Kneucker über diese längst zurückliegende Nutzung.

Mit den Grafen von Jenison-Walworth waren die Löwensteins verwandt. Ursprünglich aus altem englischen Adel stammend, hatte Franz Graf Jenison-Walworth sich 1777 in Heidelberg niedergelassen und war 1790 in den Reichsgrafenstand erhoben worden. Sein ältester Sohn Franz, 1764 noch auf den britischen Inseln geboren, hatte später in Heidelberg acht Kinder, von denen Tochter Christiane Mary Emily (1806–1880) durch ihre Ehe mit dem Grafen Schönburg-Forderglauchau zur Vorfahrin etlicher Löwensteins wurde.

Es liegt also nahe, in dem in den Akten der fürstlichen Domänenkanzlei zur Immobilie nicht näher bezeichneten Grafen Jenison einen Spross dieser Familie zu sehen. Es kommen mehrere Personen in Frage, zumal es bisher keinen Hinweis gibt, wie alt der Graf gewesen sein mag. Das Rätsel Jenison harrt also noch seiner Lösung.

Sehr lange scheint der Graf hier nicht gelebt zu haben, denn im Krieg 1870/71 diente der Gartensaal des Schlösschens bereits als Lazarett. Der aus Karlsruhe stammende badische Dichter Heinrich Vierordt (1855–1945), der einige Jugendjahre in Wertheim verbracht hat, berichtet in seinen Erinnerungen über einen Besuch 1870 in diesem Lazarett.


1870/71 war während des deutsch-französischen Krieges ein Lazarett im
Gartensaal des Schlösschens untergebracht. -- Foto: Friedrich Lehmkühler

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